Donnerstag, 25. Mai 2017

Bäcker, Bars und weißes Pulver


Null Uhr: Ich packe meinen Kram zusammen und checke aus. Dann warte ich noch ein Weilchen (das Teamauto hat eine Reifenpanne), ehe wir in einem Taxi zum ersten Drehort fahren. "Brotsommelier" Daniel steht seit 22 Uhr gemeinsam mit zwei Backfischen am Ofen und fertigt Brot & Co. Sensationell! Bisher meinte ich, Bäcker arbeiteten früh morgens. Pustekuchen; seit dem Wegfall der Backstubennutzungsverordnung in den 90er Jahren darf jeder backen, wann er will, und das heißt in der Regel: die ganze Nacht.
Erstaunlich das Tempo, in dem Daniel zu Werke geht. Seine Knet-, Rück- und Wurfbewegungen ähneln Kung-Fu-Schlägen, Pausen sind rar, und breit wie die Wolga rinnt dem hageren Edelbäcker ein Strom mehlsedimentierten Handwerkerschweisses die Stirn hinab.

Zum zweiten "Nachtfalken"-Dreh treffen wir uns an der Davidwache. Kiezpolizist Christian (hier wird geduzt!) führt uns zunächst durchs Revier, zeigt uns U-Haft-Keller und Dachterrasse (Das Zellenbild hat übrigens unser Tonmann Björn geknipst. Seine Fixierung auf die Akustik wird im Bild überdeutlich: Mein Gesicht ist unscharf, während das Ansteckmikrofon an meiner Brust schärfer nicht sein könnte).
Um drei Uhr fährt der Peterwagen ab auf die Reeperbahn, mit mir an Bord. Vatertagsheiligabend; es ist or'ntlich was los. Das Timing stimmt: Ich werde Zeuge eines Gewaltverbrechens am Beatles-Platz. Brummbrumm, tatütata! Kurzes Handgemenge, dann der Polizeigriff. Hilfe, ist das spannend! Der schmächtige Täter wandert ins Kittchen, und Christian sichert ein Tütchen weißen Pulvers für die Aservatenkammer  - diesmal eher kein Delikatess-Mehl, nehme ich an. "A guade Äktschn" würde Terminator-Arni gesagt haben, und ich bin ganz aufgeregt, dass ich dabei sein darf. "Gibt's hier eigentlich Kiez-Zulage?" frage ich. "Man hört viele gute Geschichten. Das ist mehr wert als Geld" antwortet Christian weise.
Live-Krimi: So könnte man auch die öffentlichen Haushalte füllen. Indem man ganovengeiles Publikum auf Streife mitfahren und dafür zahlen lässt. Top-Idee, gell? Namentlich für bankrotte Polizeistaaten bestens geeignet.
Zwitscherzwitscherpiep. Mit Dämmerungsbeginn drehen wir an der Bar des Hotels Henri, wo uns Sebastian, der nette Nighty (Neudeutsch für Nachtportier), von nackten Verwirrten in der Lobby erzählt.
Alle drei Jobs, so lerne ich, bieten dem Jobber ein gewisses Stresspotenzial. Meiner manchmal aber auch, hihi. Um sieben Uhr komme ich an Gate C6 an und freue mich geränderten Auges auf meinen Flug Richtung Kuschelbett in München.
Das Wetter ist prima, perfekt für eine Vatertagstour in die Innenstadt. Und so ist meine Enttäuschung massiv, als das Birdy fahruntüchtig ausgegeben wird: Das Klappscharnier des Lenkers ist defekt, der Befestigungsriegel abgebrochen. Jetzt bin ich noch saurer als müde. Auf den letzten beiden Flügen wurde mein Birdy k.o. geruppt. Schluss damit! Geflogen wird nur noch im absoluten Notfall. Ich fahre eh lieber Zug. Und für die Notfälle muss ich mir etwas überlegen. Schutzhülle? Noppenfolie? Mehr Frustrationstoleranz? Muss überschlafen werden. Und zwar gleich.

16:23. Nachtrag: Nach tiefer Siesta bin ich ein gutes Stündchen im Englischen Garten getretrollert. 22 km.

1 Kommentar:

  1. Ach wie blöd mit deinem Fahrrad. Hoffentlich kann das zügig repariert werden, denn ohne Fahrrad ist man ja quasi auf Entzug. Obwohl tretrollern natürlich auch seinen Charme hat :-)

    Spannende Nacht :-)

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