Freitag, 26. Mai 2017

Weltrekord im Barfußbergsteigen mit Gleitsichtbrille 

Ich darf die erste persönliche Bestleistung des Jahres vermelden: Nach Anfahrt mit dem Regionalzug zog ich um 15.19 Uhr die Schuhe aus, schulterte den Rucksack und joggte über feine Asphaltsträsschen vom Bahnhof Oberstaufen hinüber nach Steibis. Die Straßen des Allgäus präsentierten sich besonders barfuß-freundlich; wir sind immerhin im schwäbischen Kulturkreis, in dem der Besen als kultischer Gegenstand verehrt und täglich zum Einsatz gebracht wird. Auf gefegter Piste kam ich flott, fast sportlich die Hügel hinauf.

Nach einer knappen Stunde, an der Talstation der Imbergbahn, änderte sich mein Lauftempo; spitze Steinchen auf dem steilen Wanderweg reduzierten es auf knappe Schrittgeschwindigkeit, und ein Ausweichen auf die benachbarten Wiesen war wegen Elektrozaun und Distelflur nur in seltenen Fällen möglich. Als sehr hinderlich erwies sich auch meine Gleitsichtbrille: Um Trittsicherheit bemüht, trachtete ich nach gewissenhafter Terrainprüfung, und blickte ich durch das Lesefenster am unteren Rand meiner Brille, so sah ich Fuß & Firn nur unscharf. Also beugte ich mich weit über, scannte im Buckelmodus, was das Spekuliereisen wiederum nasenspitzenwärts rutschen ließ. Dies erzwang eine Handkorrektur alle fünf Sekunden und destabilisierte den gesamten Bewegungsablauf. 


Aber meine rutschende Brille konnte mich nicht in die Knie zwingen; ich kämpfte heroisch, vermied alle Aua-Auas, besonders, wenn andere Wanderer in der Nähe waren, und erreichte nach zwei Stunden den Gipfel. Nordwärts hat man von hier einen beseelenden Fernblick; die malträtierten Treter taten plötzlich gar nicht mehr weh, und es ist gut möglich, dass ich im bevorstehenden Bergsommer noch den einen oder anderen Rekordversuch unternehmen werde. Da geht noch was. 


Man mag sich fragen, warum ich denn überhaupt eine Gleitsichtbrille trage, wenn die doch in steilem Gelände so unpraktisch ist. Ich bin hier oben als Gast des Allgäuer Literaturfestivals, also professionell, lese heute Abend im Imberghaus aus "Im Zelt", und das geht, wenn man die 35 überschritten hat, mit Spezialbrille besser. Nach dem Auftritt (sic!) werde ich hier oben übernachten. Unterm wolkenlosen Sternenhimmel. Mein Herz pocht vorfreudig. 


8,5 km, 610 hm


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