Mittwoch, 7. Juni 2017

Herzlichen Glückwunsch, Roberto Peymann und Claus Blanco! 

Angeklagt. Der Staatsanwalt wirft uns schweren Landfriedensbruch, Unzucht mit Minderbemittelten sowie das Betreiben eines Swingerclubs vor. Welche der Beschuldigungen mir gelten, ist unklar - es handelt sich um so eine Art Sammelklage, nachdem die Wache der Wildeshauser Schützengilde alle Festgäste, die in Grotelüschens Garten am Bier nippten, festgenommen und in Ketten dem Gericht vorgeführt hat. Nach Absingen des Wildeshauser Liedes wird ein Teil der Bande freigesprochen, ein anderer zum Tode verurteilt. 

Nach 15 Jahren stehe ich meinem Vater hier zum zweiten Mal gegenüber. Schade, dass ich mangels Stimme nicht verteidigungsfähig bin. Sohn Leander und Neffe Jonathan werden dazu verurteilt, im nächsten Jahr der Gilde beizutreten. Müsste den beiden auch gut stehen, der schwarze Frack und das Holzgewehr mit der Blume. Angenehm, sich die leuchtenden Augen der Großeltern auszumalen. 

Roberto Blanco wird 80, und Claus Peymann auch. Letzterer nennt sich einen "Reißzahn im Arsch der Mächtigen", Roberto Blanco nennt sich so nicht. Wenn er sich überhaupt irgendwie benennt - womöglich hat er eine Selbstbeschreibung gar nicht nötig. Seine Visitenkarte ist der Fünfworter "Ein bisschen Spaß muss sein". Peymanns Credo lautet "Das Entscheidende am Theater ist die Liebe", und kombiniert man beide Mottos, äh, Motti, äh, Motten miteinander (und betrachtet alles Menschenwerk als theatralischen Zeitvertreib), hat mein eine umfängliche Handlungsanweisung, einen funktionstüchtigen Kompass für die 80 Jahre, die man auf diesem Planeten gemittelt verbringen darf. Beiden Jubilaren wird die Fähigkeit zu einer gewissen Härte unterstellt: Blanco bewies diese im Rosenkrieg mit seiner Frau, soll angeblich nur knapp dem Gefängnis entronnen sein (wäre ihm mit meinem Papa als Staatsanwalt nicht gelungen). Peymann wiederum wettert gegen Politiker, Regisseure, Journalisten, eigentlich alle, außer sich selbst. Aber auch Roberto Blanco hat er noch nie beschimpft - das ist auffällig. Die Erklärung: Blanco und Peymann sind eigentlich ein und dieselbe Person. Oder wenigstens zwei Seiten einer Medaille: Yin und Yang, Blanco y negro, Bremen und Kuba. Keine zwei Staatswesen sind sich ähnlicher als die darbende Rum-Republik und das kleinste Bundesland mit der Speckflagge: Hie Castro, da die SPD, kaum finanzieller Handlungsspielraum, in beiden Gegenden sind bedeutende Tabakidustrieunternehmen ansässig etc.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Roberto Peymann, lieber Claus Blanco! 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kiez, krank, Krosslauf

Die Saisonplanung steht. Ende April werde ich an der „Harzquerung" teilnehmen - das ist ein 51 km langer Dauerlauf über Wanderwege von ...

Beliebte Beiträge