Mittwoch, 28. Juni 2017

Ehe für Aale


Was kümmert sich der Staat eigentlich um die Heiraterei? Die Ehe steht unter dem Schutz des Grundgesetzes, ja, aber warum? Mir leuchtet sofort ein, dass Kinder ein besonderes Schutzbedürfnis haben und jene steuerlich und sonstwie entlastet werden sollten, die sich entschließen, Verantwortung für Kinder zu übernehmen. Aber die gemeine Double-Income-No-Kids-Liaison? Was ist daran schutzwürdig? Kann man das heilige Sakrament der Ehe nicht einfach den Kirchen überlassen bzw. Heiratswilligen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, einen zivilrechtlichen Mustervertrag anbieten, ähnlich einem Mietvertrag? Bonus-Plus: Ein solcher Vertrag könnte bei Bedarf gekündigt werden, zumal, wenn man einen akzeptablen Nachmieter präsentiert, oder aber er verlängert sich "bis dass der Tod euch scheidet". Schließt also die Standesämter und macht Kitas draus - das ist, weiß Gott, wichtiger.


Mein Notgürtel ist fertig. Bin ziemlich sicher, dass dieses Modell Avantgarde ist; irgendetwas sinnvolles muss mit dem Müll, den wir in die Meere geworfen haben, ja passieren. Einsammeln und zu Kleidung verarbeiten. Vielleicht kann man auch Möbel draus basteln, Perücken, Prothesen, Hängematten, Häuser, Straßen, Städte bauen. Eines Tages werden wir alle in alten Fischernetzen leben, und die Aale sagen Dankeschön. 

Zum Conversationshaus, in dem ich gestern auftrat, steht der Gürtel in denkbar scharfem Kontrast. Voll etepetete, der Schuppen. Auf der Bühne steht ein wuchtiger Konzertflügel, und draußen auf der Terrasse plündern ebenso wuchtige Raubmöwen die Teller der Kurgäste. Was mir überhaupt nicht einleuchtet: Warum man hier mit'm Auto fährt. Der "Unique Selling Point" der Ostfriesischen Inseln ist doch gerade die Autofreiheit; die frohe Botschaft, dass es ein Paradies auf Erden gibt, nämlich hier - ruhig, archaisch und friedlich - wird durchs Brummbrumm doch komplett unglaubwürdig. Zudem ist das Eiland im Auto doch binnen Minuten durchmessen - selbst auf dem Rad habe ich ruckzuck alles gesehen. Seltsam. Der Baltrumer Bürgermeister nebenan denkt in die andere Richtung. Er möchte sogar mit "Zonen ohne Handyempfang" werben. Ihm, da bin ich mir sicher, gehört die Zukunft. 


Nach dem Auftritt wurde ich für mein zusammengeklapptes Birdy gelobt. "Das ist aber ein schicker Rollator!" meinte eine ältere Dame, und eine andere sagte, ich würde sie mit meiner neuen Brille an Alexander Dobrindt erinnern. Hm. Unklar, ob ich mich über diese Komplimente freuen soll. Besser wäre natürlich eine Brille aus Plastikmüll. Oder aus Fischbein.

Heute ist Regenwetter, und vor mir liegt eine Radtour von Norddeich nach Bensersiel, immer am Deich entlang. Diese Zeilen schreibe ich noch im Trockenen, nämlich im "Salon" der Fähre von Norderney zum Festland. Es ist 9:30, und ich hätte nicht übel Lust auf einen Grog. Oder einen Pharisäer. Das passt besser zum Ehe-Thema. Ich frag mal, ob's hier sowas gibt.


Kommentare:

  1. Aus alten Fischernetzen gibt es immerhin schon Brillen der Marke "Karün". Die sehen auch ganz schick aus. :)

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    1. Danke für den Hinweis! Wird begutachtet!

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  2. Mein Vater hatte als ich Kind war während der Sommerurlaube in Holland Strandgut gesammelt und wollte dann später - "in der Rente" - Kunst draus machen. Früher hatten Fischernetze noch Schwimmer aus Kork. Eine Glaskugel hat er auch gefunden. Heute nutzt die Fischereiindustrie wohl alte Weichspülerflaschen. Früher stand der Weihnachtsbaum noch in der Mitte.

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    1. Hat er denn Kunst draus gemacht?

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    2. Selbständige Architekten gehen nie in Rente. Und so habe/hatte ich kistenweiße Dinge die er "in der Rente" verkunsten wollte. Wurzeln, Spielkarten, Taschenuhren, Flaschenkorken, usw. usw. Gab es von einem Dings mehr als zwei verschiedene wurde es gesammelt. Witzigerweise hab ich später in der Uni für einen Professor gearbeitet, der für solche Menschen ein Haustyp entworfen hat. Das Appliance House mit der Kleptoman Cell. Sein Ansatz: Wer sammelt lebt eine milde(?) Form der Kleptomanie aus.

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