Donnerstag, 22. Juni 2017

Fensterkonzert today


TODAY nur, weil keine zwei E mehr da waren, notwendig für ein deutsches HEUTE. Aber neulich musizierten wir bereits bei geöffnetem Fenster, und zwei amerikanische Touristen hörten zu. Ist ja eine ziemlich internationale Gegend, hier am Isartor. Da darf man auch schon mal worldwide announcen. 

Die Sache ist die: Mein persönliches Ziel ist es, mit Teresa eines Tages in der Mehrzweckhalle in Scalloway zu konzertieren, auf den Shetlandinseln, wo ich als ehemaliges Shetlandpony ja hingehöre. Dafür sind jedoch mehrere Zwischenschritte nötig. Meine Motivation ist groß; Teresa begleiten zu dürfen, ist ein zartes Privileg, aber mein Selbstvertrauen als Pianist ist ebenso zart, Folge meines missglückten Klavierunterrichts als Kind. Ich ging widerwillig zu Frau Sandfort, deren aggressiver Yorkshire-Terrier mir den Angstschweiß auf die Stirn trieb. Ich übte ungern und kannte nach sechs Jahren Etüden alle Arten, die Eieruhr zu manipulieren, Indikator meines täglichen 30-minütigen Paukpensums. Ihren Abschluss fand meine Pianistenlaufbahn bei einem Schülerkonzert. Ich sollte "Der Kobold" vorspielen, ein Zwölftonstück für Kinder von Erich Böhlke, dem Mentor meiner Lehrererin. Ich hatte das Stück nicht im Ansatz begriffen (wer checkt schon Dodekaphonie mit 11), und mein Lampenfieber war übermächtig. Ich wankte auf die Bühne, spielte den ersten Akkord. Filmriss. Schwer atmend meinte ich, den letzten Akkord gespielt zu haben, stand auf, verbeugte mich linkisch und trottete von der Bühne. Niemand in der mit Eltern vollbesetzten Schulaula klatschte - außer meiner Mama. Ende einer Karriere. 

Ende? Nein, jetzt geht's erst los. Und um mich behutsam bühnenfest zu machen, beginnen wir mit Fensterkonzerten. Alles wie bei intimer Hausmusik, nur eben mit geöffnetem Fenster. Möglich ist dies, seitdem Robertos Klavier, das ich als Leihgabe beklimpern darf, direkt neben dem Fenster steht. Premiere war bereits Anfang Mai: Nebenan hatte ein Rauchmelder gesummt, und die Feuerwehr reiste mit schwerem Gerät an. Das laute Tatütata spornte uns an, zur innenstädtischen Beschallung unseren Beitrag zu leisten, was sich angenehm verwegen anfühlte. Und weil es sich um falschen Alarm handelte, war die Stimmung gelöst, passend zu Schuberts "Seligkeit". Sofort war klar: Diese Idee ist bonfortionös. 

Also: Heute wieder Fensterkonzert, mit Liedern von Schubert, Schumann und Wagner. Am Abend. 

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