Mittwoch, 12. Juli 2017

Alpenüberquerung, 2. Etappe

Aufbruch in Imst um acht Uhr. Teresa vermerkt vergnügt "ein leichtes Druckgefühl" am Gesäß. Sonst äußert sie keine Beschwerden, was mich durchaus erleichtert, denn vor uns liegt ein langer Tag. Wir radeln/rollern am Inn entlang nach Landeck. Bin bereits zum vierten Mal in diesem Jahr auf dieser Route unterwegs; seitdem Sohn Cyprian in Landeck studiert, ist der Inntalradweg so'ne Art Stammstrecke geworden. Er ist aber gerade nicht da; schade. Also weiter nach Fliess, mit allerlei auf und ab. Es wird warm. Teresa fürchtet sich vor der berüchtigten Radfahrerbräune, weil diese auf der Konzertbühne im Abendkleid blöd aussieht. Passt auch nicht zu Mozart. Leider weiß ich nicht, was man gegen die scharfen Farbränder tun kann. Alles bedecken oder alles ausziehen. In Fliess zweites Frühstück an einer schattigen Häuserwand. Dann folgen wird den Wegweisern Richtung "Pfunds/CH". 

Vor uns entblößen sich martialische Bergriesen, während sich neben uns winzige Waldbeeren im Unterholz verstecken. Wir finden Sie trotzdem. Anderes Highlight: Die schönen hölzernen Brücken über den Inn. Elastisch federnde Bretterböden. Flirrende Hitze. Mittag in Pfunds. Wasserflaschen auffüllen am Prutzer Sauerbrunnen:

In einer grottenartigen Aussparung am Weg kann man sich für umme bedienen und erhält ein säuerlich-metallisches Heilwasser. Köstlich! Dann führt uns der Wegweiser auf die Autostrasse Richtung St. Moritz. Im Tunnel überhole ich gedankenlos meine Gefährtin, die daraufhin schutzlos der Drängelei eines LKWs ausgeliefert ist. Bis auf eine Armlänge nähert sich der überlaute Monstertruck. Es geht bergab, wir sind schnell unterwegs. Teresas Schnürsenkel ist auf. Darf nicht in die Kette geraten, sonst: Walderdbeere. Psychologisch eine harte Prüfung, so'n voller Bundesstraßentunnel in den Alpen. 

Am Schweizer Zollamt in Martina legen wir zur Erholung ein Kaffeepäuschen ein. Es ist 15 Uhr und zieht langsam zu. Etwas bangbüxig gehen wir an den kalorischen Tageshöhepunkt, nämlich den Aufstieg nach Nauders, wobei "gehen" ganz wörtlich gemeint ist. Wer sein Rad liebt, so schmunzelt Teresa, der schiebt. Ich dackele hinterher und raune zwischendurch das Motivationswort "Kuuuchenbüüüffeeet", welches angeblich oben in Nauders auf uns wartet. Ab und zu fährt Teresa auch ein paar Meter, und ich skandiere "Super super Yeah!", wie wirs neulich beim Lachyoga-Schnupperkurs gelernt haben. 

Als wir ein Schild mit einer großen "10" passieren, schwant uns, dass die Kehren nummeriert sind. Ab jetzt wird runtergezählt. Kehren-Countdown. Vereinzelt treffen uns kapitale Tropfen. Regnet es etwa? Nein, noch nicht. 

9-8-7. Rücksichtslos rüpeln röhrende Sportwagen an uns vorbei. Ja, wissen die denn da nicht, wen sie da überholen? Die tapfere Teresa auf ihrer ersten Transalp! Ohne Training! Höflichkeit und Respekt geböten, dass man wenigstens verlangsamt und nett grüßt. In den folgenden Kehren denken wir uns immer neue Schimpfwörter für Porschefahrer aus - so wird's nicht langweilig. 

6-5-4. Ein drahtiger Bergradler überholt uns. "Bis nach oben ist's noch ganz schön weit; auf dem Rad geht's leichter!" "Ich wa-heiß", pampe ich zurück und nuschele ein verschwitztes "Kümmere dich um deinen eigenen Kram!" hinterher. 

3-2-1. Die letzten Meter schiebe ich meine Freundin im Laufschritt an (könnte ein taugliches Konzept für die kommenden Pässe sein). Und dann sind wir oben, auf der Norbertshöhe: 


Nach 72 km und 1130 Höhenmetern erreichen wir um 16:30 Uhr Nauders. Kaum betreten wir unser Hotel, beginnt ein prasselnder Schauer. Brillantes Timing, wie gestern. Schade: Das Küchenbüffet im Hotel ist soeben abgeräumt worden. Dafür schlagen wir beim Abendessen voll zu und lassen auch sonst Seele und Konsorten baumeln. Ich besuche die Sauna, Teresa lässt sich in der Wellness-Abteilung ein Heubad verabreichen. Idee: Man legt sich 20 min in ein Bett gefüllt mit Heu, und dazu läuft Dudelmusik. Abgesehen davon, dass sie als Pollenallergikerin dort natürlich niesen muss, konnte sie spontan keine Wirkungen erkennen. Die Heubademeisterin ordnete allerdings eine halbe Stunde Nachruhen an, um das "Nachschwitzen" zu gewährleisten, eine Aufforderung, der sich Teresa widersetzte. Wer weiß; vielleicht offenbart sich ja morgen am Reschenpass die belebende Wirkung des Heus.







Kommentare:

  1. Vielleicht findet ihr für Teresa Sommer Armlinge. Die Stulpen bekommt man in gut sortierten Fahrradgeschäften. ;-) Wenn man sie etwas anfeuchte, kühlen sie sogar und man bekommt keine fiesen Streifen am Arm.
    Weiterhin gute Fahrt und good roll.

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