Mittwoch, 31. Januar 2018

Ski Heul: 24 Stunden Skilanglauf

Gestern durchstöberte ich olle Festplatten auf der Suche nach vergilbten Fotos und stolperte über das hier: Es zeigt Hannes Zacherl und mich nach durchsportelter Nacht am Vormittag des „Ski Heul“-24-Stunden-Skilanglaufs. Auf der Nachtloipe am Tegelberg, in Füssen.

Wann war das? 2011? Ganz sicher bin ich mir nicht. Zum Zeitpunkt der Aufnahme haben wir jedenfalls schon satt Kilometer in den Beinen, Hannes natürlich mehr als ich. Die Disziplin hat schon deutlich nachgelassen, wie man an den sympathischen Verlotterungssymptomen erkennt: Die Malzbierbuddel in meiner linken Hand, die zusammengeklappte Feierabendsitzhaltung meines Sportfreundes. Der Müll unterm Tisch mit der Gulaschkanone, der Gaffatape-Verband an Hannes‘ Schuh zeugen von den Kämpfen der zurückliegenden Nacht. Irgendwann gegen vier hatte ich mich am Wendepunkt unserer 4(?)-km-Strecke voll auf die Fresse gepackt, nachdem ich von Runde zu Runde tollkühner auf die Kanten meiner Ski gesprungen war, um zu bremsen und gleichzeitig in Position für die Gegenrichtung zu gelangen. Der Vorteil des Unfalls: Buchstäblich mit einem Schlag war ich wach und blieb dies bis in den späten Vormittag. 

Diese Veranstaltung war einer der schönsten Sportwettbewerbe, an denen ich je teilgenommen habe - und dabei hatten wir nur vier Teilnehmer, nämlich Hannes, Carsten Schneehage und den großartigen Uwe Weist. Letzterer tauchte mit einfachsten Nowax-Skiern auf, in Begleitung seiner Frau, und reihte im Marschierschritt Runde um Runde. Unser Respekt vor dem rüstigen Best-Ager wuchs mit jedem Päuschen, das wir Wohlstandskinder uns gönnten - er aber nicht. Uwe beließ es bei einem, ja einem Schluck aus der Thermoskanne, und weiter ging’s. 

Carsten und Hannes wiederum lieferten sich über weite Strecken der Nacht ein packendes Duell unter Hochbegabten, und als sich kein klarer Sieger ermitteln ließ, versuchte Hannes, den jungen Herausforderer durch Verführung zu reichlichem Weißbiergenuss niederzuringen, was jedoch ebenfalls keine Entscheidung bewirkte. 

Erwähnen möchte ich auch unser phantastisches Publikum: Conny und Sigi Bullig waren mit ihrem Wohnmobil angereist, und mit Bademeister-Uwe hatten wir sogar einen professionellen Skiwachs-Experten vor Ort, der sich unermüdlich, ohne Schlaf, um unsere Pommes (Allgäuer Slang für Ski) kümmerte. Danke Euch allen!

Wieviele km ich, wir damals in 24 Stunden sammelten? Ich hab’s vergessen. Könnten 180 gewesen sein. Vielleicht weiß es Hannes noch, und den sehe ich gleich. Sitze nämlich im Zug nach Füssen, um mit ihm heute den Tegelberg zu erklimmen und oben zu kaffeesieren. „Harscheisen bitte mitbringen!“ lautete seine letzte sms. Ich berichte morgen. 

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