Donnerstag, 1. Februar 2018

Freie Fahrt für freie Radler! 

Gunnar Fehlaus „Pressedienst Fahrrad“ lud zum „Fahrradfrühling“ ein, und ich sagte sofort zu. Vor 15 Jahren war ich schon mal dabei, diente als Model und Galionsfigur der Fahrradindustrie, und zwar ehrenamtlich. Und auch aus Spaß am der Freud, denn bei dieser Leistungsschau erfährt man, was die wichtigsten Trends im Radler-Reich sind. 

50 Journalisten sitzen heute also in Halle 3 des Verkehrszentrums des Deutschen Museums, und ich stehe als Garnitur neben Gunnar auf der Bühne, höre zu und gebe anschließend einige Interviews. 


Was bleibt hängen? Erstmal der frappierende Satz, dass es heuer kein einziges relevantes neu entwickeltes MTB-Modell ohne E-Verstärkung gibt. MTB-Sport gleiche sich immer mehr dem Motocross-Sport an, doziert Gunnar, auch im optischen Erscheinungsbild der Maschinen. Puh. Spontan evoziere ich kaputte Waldschneisen und verziehe das Gesicht, aber vielleicht urteile ich da gar zu voreilig und die Vorteile überwiegen (zB weil die Fahrer dieser Geräte dafür das Auto stehen lassen). 

Neu: Blinker am Rad. Testhalber setze ich mich in ein Liegedreirad (natürlich auch mit E-Motor), und die Sache schmeckt mir. Sehe mich durch Italien rollen, mit nackter Plauze, im rollenden Liegestuhl, Pina Colada-Halter neben dem Blinkhebel. Ja, das könnte mir gefallen.


Top: Das Rad aus Bambus. Nur wenig schwerer als Carbon, dafür nachwachsend, umweltschonend und farblich zu meiner braunen Cordhose passend. Schmunzeln lässt mich eine farbenprächtigere Alternative, an deren Trendhaftigkeit ich im vergangenen Jahr selber aktiv mitgewirkt habe: Tretroller - hier vertreten durch schicke Kinderroller der Firma Puky (die auch für kleine Erwachsene taugen. Also für Hoëcker oder mich)


In Sachen Reifenfarbe tut sich übrigens einiges; am spektakulärsten finde ich den brandneuen Retro-Mantel von Schwalbe, der die 70er-Kamelhaar-Optik aufs vortrefflichste mit moderner High-End-Gummitechnologie vermählt:


Oberthema ist aber weiterhin: Elektro. Die Mehrzahl der Reporterfragen bezieht sich denn auch auf Elektrobikes. Einer fragt mich doch glatt, welcher Elektroradtyp ich denn sei. Ich grüble lange, dann schwadroniere ich, dass die  Verkomplizierung der Radtechnik unweigerlich eine Gegenbewegung hervorrufen werde, nämlich die Rückkehr des Laufrades. Gut, dass die Veranstaltung im Deutschen Museum stattfindet; zur Illustration meiner Prognose weise ich einfach auf das wundervollen Exponat fünf Meter nebenan:


Und direkt daneben erspähe ich ein Gerät, dessen Nachbau ich ebenfalls umstandslos unter die Pobacken nehmen würde (siehe ganz oben, als Eyecatcher habe ich das Bild bereits am Artikelbeginn verbraten). Mit Traditions-Technik hat ja zB auch die Spieleindustrie Erfolg, etwa mit dem klassischen Brettspiel „The Open Road“, einem Reise-Rad-Renner aus den USA. Jibbet wohl bald auch in deutscher Version: 

Zu guter letzt fragt mich ein Fachjournalist, was ich mir denn von Politik und Stadtplanung wünschen würde. Hm. Ich wünsche mir, deklamiere ich mit leicht pathetischem Tremolo, Gleichberechtigung. Genauso viel Entfaltungsraum, Zuwendung und Aufmerksamkeit wie die Autofahrer. Freie Fahrt für freie Radler! Und bitte nicht überfahren werden. Mehr beanspruche ich ja gar nicht. Gleichberechtigung reicht. Danke schön. Feierabend. 


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